Ontologie – Maschinen lesen Filmanalyse

Digitale Filmwissenschaft bedeutet für uns nicht nur, dass digitale Tools genutzt werden um Analysen durchzuführen – sondern es bedeutet auch, dass diese Analysen (zumindest teilweise) maschinenlesbar werden. Methoden und Standards des Semantic Web bieten dabei die Möglichkeit analytische Beobachtungen zu strukturieren und sie systematisch durchsuchbar zu machen.

Semantic Web heißt, dass nicht nur unstrukturierte Text- und Bilddateien abgelegt werden, sondern dass diese durch Metadaten angereichert werden, die Bedeutung der Metadaten explizit beschrieben wird, und dass die Daten mit anderen Wissensquellen verknüpft werden. In den Worten von Tim Berners-Lee (2001): „The Semantic Web is an extension of the current web in which information is given well-defined meaning, better enabling computers and people to work in cooperation“.

In der Praxis heißt das beispielsweise, dass weite Teile der Wikipedia in die DBpedia überführt wurden, die aus semantisch strukturierten Informationen besteht. Der Artikel zur Stadt Essen enthält die Information, dass es sich bei ‘Essen’ in diesem Fall um eine Stadt handelt und nicht um eine Mahlzeit. Das Wissensobjekt dieser Stadt verfügt über unterschiedliche, definierte Eigenschaften. Sie hat einen Namen, gehört einem Staat an, verfügt über eine erhobene Einwohnerzahl und einen gewählten Bürgermeister, der wiederum einen Namen hat. Ändert ein deutscher Nutzer nach einer Wahl den Namen des/der Bürgermeister_in, kann nun in der spanischen, französischen oder türkischen Wikipedia der neue Name automatisch übernommen werden. Die Bedeutungsstrukturen, die solchen Operationen zugrunde liegen, werden als Ontologien bezeichnet.

Ziel der ersten Phase der Nachwuchsforschergruppe ist es filmanalytische Begriffe und Konzepte in ihrem Zusammenhang zu definieren und diese als Ontologie für die Strukturierung von Analysedaten zugänglich zu machen:

Eine Kamerabewegung beispielsweise bezieht sich auf einen festen Zeitabschnitt im Film und bezeichnet ein rein visuelles Phänomen. Eine Kamerabewegung kann drei Bewegungstypen in unterschiedlicher Weise miteinander verknüpfen – Kamerafahrten (Bewegung im Raum), Kameraschwenks (Neigungen der Kamera) und Kamerazooms (Bewegungseindruck, der durch eine Brennweitenveränderung des Objektivs entsteht). Jeder dieser Typen verfügt wiederum über eigene Eigenschaften – beispielsweise Richtung oder Geschwindigkeit.

Frühes Stadium der Visualisierung der Analysesystematik

Im Hinblick auf die Fragestellung der Nachwuchsforschergruppe nach Affektrhetoriken werden zentrale filmanalytische Parameter ausgewählt und als eine Ontologie abgelegt, die unter http://ada.filmontology.org/ abrufbar ist.

Webansicht eines Konzepts in der Ontologie (Stand August 2018)

Quellen:
Tim Berners-Lee, James Hendler, Ora Lassila: The Semantic Web: a new form of Web content that is meaningful to computers will unleash a revolution of new possibilities. In: Scientific American, 284 (5), S. 34–43, May 2001.